Mikrowellen töten, oder wieso ich wieder anfange zu rauchen

2 Kommentare

Neulich in einer feuchtfröhlichen Männerrunde reden wir wieder einmal übers Kochen. Da meint einer der Mittrinker mit einem diebstahlsicheren Grinsen: „Kennt ihr eigentlich das Geheimnis von Jann’s lauwarmen Schoggikuchen? 10 Sekunden in der Mikrowelle bei 100% aufwärmen und der ist wie frisch gebacken.“ – Schweigeminute –  „Mikrowellen Food ist krebsfördernd!“

Jetzt bin ich angepisst und finde, ich muss mich rechtfertigen. „He Jungs, ihr wisst ich bin ein klassischer Koch und brauche die Mikrowelle nur für ganz wenige Gerichte, um sie im Service kurz aufzuwärmen, und übrigens macht das jeder Koch, auch die Grossen“. Ein anderer, grosser Koch am Tisch, der „es“ auch tut, schweigt und schaut irgendwo ins Nirvana, einfach nicht zu mir. Na toll Jann, warum muss ich mir den Scheiss antun, in meiner Freizeit mich zu entschuldigen, dass ich einen ganz normal gebackenen Schoggikuchen kurz in der Mikro aufwärme?

Im Ofen aufgewärmt wäre er ja furztrocken, oder ich mache ein Soufflé, auf das ein urbaner Zürcher gerne mal 25 Min. wartet und es auch versteht, wenn es am Tisch schon zusammengefallen ist und aussieht, wie das was der Hund von Inspektor Columbo hinter sich lässt? NEIN VERGISS ES.

Ich würde mit der Kiste nie richtig kochen. Weil das gar nicht geht. Aber um ein Produkt nochmal kurz zu pimpen im Hardcore Service? Wenn’s gut schmeckt und mir hilft, dass der Gast am Tisch ein Produkt mit dem bestmöglichen Geschmack, einer Konsistenz zum niederknien und nach einer akzeptablen Wartezeit kriegt, dann tu ich es verdammt noch mal. Alles was schmeckt, schadet unserem Körper, so sieht’s aus, wenn ich unserer Kassensturzgesellschaft glaube.

Beim Mikrowellenofen wird ein hochfrequentes Wechselstromfeld erzeugt, das die Moleküle in den Lebensmitteln dazu zwingt, bis zu 5 Milliarden Mal pro Sekunde hin- und her zu schwingen. Was hier erzeugt wird ist eine Reibungshitze, das Kochgut wird von innen heraus erwärmt,  ein Vorgang, der im absolutem Gegensatz zur konventionellen Erhitzung von Lebensmitteln steht, bei welcher die Wärmeenergie an der Oberfläche eines Lebensmittels zugeführt wird und schließlich durch Wärmeleitung in das Innere des Produktes gelangt. Durch Mikrowellen werden die Nahrungsmoleküle zerstört und deformatiert mit der Folge, dass neue „radiolytische“, chemische Verbindungen entstehen, die in der Natur unbekannt sind. Der Körper kennt diese neuen Moleküle nicht, für ihn ist es tote Nahrung. Konventionell sieht’s nicht besser aus. Sorry! Bei grosser Hitze reagieren Aminosäuren und bestimmte Kohlenhydrate miteinander. Es kommt dabei zu einer nicht-enzymatischen Bräunungsreaktion. Fleisch und Bratwürste bekommen dadurch ihre braune Farbe und den leckeren Geschmack. Beim Grillen kann Acrylamid entstehen! Die oben beschriebene Maillard-Reaktion bildet aber ebenfalls das krebserregende Acrylamid, das auch in Kartoffelchips, Pommes Frites oder Gebäck vorkommt. Grillen entfettet zwar das Fleisch, aber genau dieser Vorgang hat gesundheitsschädliche Folgen. Durch das heraustropfende Fett entstehen in der Glut polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAKs. Einer davon ist das Benzopyren, das vor allem bei Schornsteinfegern für den häufig vorkommenden Hautkrebs verantwortlich ist. Der aufsteigende Rauch ist sogar gefährlicher als Zigarettenrauch.

Also geniessen wir weiter, in Massen versteht sich, und erfreuen und am Geschmack und Genusswert eines Essens. Da ich eh jeden Tag grilliere, sautiere, backe und schmore, lebe ich so gefährlich, dass ich auch wieder rauchen kann!

Schreib mir deine Meinung!

J-M-H, foodfreak

Der Koch
Jann Hoffmann
Kommentare
  • un dos tres

    Spätestens jetzt ist es kein Geheimnis mehr!

    Viele Sachen können Krebs verursachen, unter anderem Stress (nicht der Rapper, aber der vielleicht auch…), trotzdem scheint mir das Schoggichüechli-Risiko relativ gering und ich würde es wohl jederzeit wieder eingehen. Am besten begleitet von einem feinen Tropfen, damit die gute Leber auch was davon hat.

  • Airah

    Darum Rohkost Küche versuchen.. Rohkost ist nicht gleich Rohkost.. Ausser das Fleisch. Wer darauf nicht verzichten will (es ist ein wollen den Fleisch braucht der Mensch nicht, er will es.. in Not ist es verständlich aber in der primitiven Industrie von heute? Massentierhaltung? Alles voll mit Antibiotika? Nein danke!). Somit, wer fit, gesund, vital und glücklich sein will sollte sich (mit genauer Achtung auf die Nährwerte wo der Mensch benötigt) mal in einer Mix Küche aus Vegan und Rohkost versuchen. Es ist wirklich toll!

Kommentar verfassen